100 Jahre Linzer Programm
Am 3. November 1926 beschloss die Sozialdemokratische Arbeiterpartei in Linz ein neues Parteiprogramm. Dieses gehört zu den prägenden politischen Dokumenten der Ersten Republik. Es war der wohl ambitionierteste Versuch der österreichischen Sozialdemokratie, ihre politischen Ziele theoretisch zu begründen – entstanden in einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Spannungen, aber noch im festen Vertrauen darauf, dass demokratische Mehrheiten den Weg zu einer anderen Gesellschaft eröffnen könnten.
Wer das Linzer Parteiprogramm heute liest, entdeckt nicht nur Passagen, die aus ihrer Zeit heraus verstanden werden müssen, sondern verblüffend moderne Gedanken. Es beschäftigte sich mit Fragen der Gleichstellung von Frauen und Männern, mit dem Verhältnis von Wirtschaft und Demokratie, dem Schutz persönlicher Freiheit sowie der Bekämpfung von Korruption im Pressewesen. Es forderte darüber hinaus den Ausbau progressiver Einkommens-, Vermögens-, Erbschafts- und Luxussteuern.
Viele dieser Themen prägen politische Debatten bis heute. Trotz aller kontroversen weltanschaulichen Diskussionen eröffnet das Linzer Parteiprogramm Perspektiven, die weit über ihre Entstehungszeit hinausweisen. Kaum ein anderes Parteiprogramm des 20. Jahrhunderts wurde später so intensiv diskutiert, kritisiert und unterschiedlich interpretiert. Gerade weil das Verhältnis des Linzer Parteiprogramms zur Demokratie bis heute kontrovers diskutiert wird, ist eine historisch differenzierte Neubetrachtung angebracht. Hundert Jahre nach seiner Beschlussfassung lohnt daher ein Blick zurück, um darüber nachzudenken, was Demokratien brauchen, um auch in konfliktreichen und krisenhaften Zeiten zu bestehen. Wie viel Vision und wie viel Realismus sind erforderlich, um demokratische Gesellschaften nicht nur zu schützen, sondern auch weiterzuentwickeln?
Ein weiterer Teil Geschichte wird an diesem Abend präsentiert: der erste Band der neuen Schriftreihe „Chroniken der Sozialdemokratie“ des Jahoda-Bauer-Instituts. Er widmet sich dem fast vergessenen Welser Bürgermeister, Gewerkschafter und Widerstandskämpfer Franz Xaver Grüttner und eröffnet damit einen spannenden Einblick in die Geschichte der Sozialdemokratie in Wels.
Das Programm
18:30 Uhr | Begrüßung und Einführung durch Michael Rosecker, Stv. Direktor des Karl-Renner-Instituts Wien
18:45 Uhr | Referat von Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung
19:15 Uhr | Podiumsdiskussion
- Bernd Dobesberger, Landesbildungsvorsitzender Oberösterreich
- Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung
- Karin Moser, Historikerin
- Michael Rosecker, Stv. Direktor Karl-Renner-Institut Wien
- Sabine Schatz, Abgeordnete zum Nationalrat
20:00 Uhr | Abschluss
Donnerstag, 12. November 2026
18:30-20:00 Uhr
Central Linz, Landstraße 36, 4020 Linz
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